Wien

Im Sommer 2005 trat ich meine Reise nach Wien an, diesesmal mit meine beiden Kiddies ( damals 15 und 9 Jahre alt ) im Schlepptau. Die Anreise verlief leider nicht so reibungslos wie wir uns das vorgestellt hatten. Etwa 1 Stunde vor Abflug wurde uns mitgeteilt, dass unser Flugzeug kaputt sei und wir deshalb erst 2 Stunden später vo einer Maschine aus Düsseldorf mitgenommen würden. Als wir schließlich nach etwa 1 Stunde Flugzeit am Wiener Flughafen Schwechat gelandet waren, hatte gerade das Gepäckband den Geist aufgegeben..... Wir kamen also mit einigen Stunden Verspätung am Nachmittag in Wien bei strahlendem Sonnenschein und ernormer Hitze an. Von hier aus fuhren wir mit S und U Bahn und erreichten nach etwa 40 Minuten die U-Bahn Station Alser Straße in deren Nähe unser Hotel "Thüringer Hof "lag. Eine schnellere Alternative ist sicherlich der CAT ( City Airport Train ) der einen in nur 16 Minuten vom Flughafen bis Wien Mitte bringt. Allerdings zahlt man für die einfache Fahrt 9 Euro.
Im Hotel angekommen bezogen wir eine großes, gemütliches Zimmer, allerdings trübte der Blick aus dem Fenster, auf einen schäbigen Hinterhof, den sonst sehr positiven Eindruck. Nach einer kurzen Pause machten wir uns auf zu Stephansdorm, der von den Wienern auch liebevoll " Steffel " genannt wird und das wohl bekannteste Wahrzeichen Wiens ist. Leider war der Dom mit einem Gerüst umbaut, später stellten wir fest, dass fast alle Gebäude gerade mal wieder restauriert wurden. Um die Außenansicht des Doms zu betrachten machten wir erstmal einen Rundgang und waren von den enormen Außmaßen ziemlich beeindruckt. Nachdem ich meine Kinder davon überzeugt hatte, dass ein Besuch im Dom bei einer Wienreise unverzichtbar ist, trotteten sie eher missmutig hinter mir her und wir besichtigten auch das Innere. Unter einem riesigen, netzartigen Dachgewölbe befinden sich Altare, Torbögen und Kapellen. Sehr interessant fand ich auch die Katakomben in denen sich Sarkophage und Urnen mit Eingeweiden der Habsburger befinden.
Leider konnte ich meine Kinder nicht mehr dazu bewegen auf den Südturm zu steigen, den man über eine kleine Turmtreppe erreicht und aus dem man wohl eine fantastische Aussicht auf die Innenstadt haben muss. Wenn ich ehrlich sein soll, ich war auch ziemlich platt..... Anschließend bummelten wir noch durch die beiden wichtigsten Einkaufsstraßen, die Kärntner Straße und dem Graben, die direkt am Stephansdom liegen. Gestärkt durch einen Besuch bei MC Donalds machten wir uns am Abend auf den Rückweg ins Hotel.
Am nächsten Morgen hatte ich, sehr zum Leidwesen meiner Kinder, eine Fahrt ins Schloss Schönbrunn geplant. Schloss Schönbrunn wurde nach 17 Jahren Bauzeit 1713 von Kaiser Joseph I vollendet und gehört seit 1996 zum Weltkulturerbe. Das Schloss verfügt über insgesamt 1441 Räume von denen man 45 besichtigen kann. Sehen kann man dort unter anderem die recht schlichten Wohn-und Arbeitsräume Kaiser Franz Josephs und die umso prunkvolleren Gästezimmer und Repräsentationsräume.
Nachdem wir das Innere, das man übrigens nur unter Führung besichtigen kann, gesehen hatten, machten wir noch einen Spaziergang im weitläufigen Park der jetzt im Sommer wunderschön bepflanzt war und stiegen hinauf zur Gloriette, die auf einer Hügelkette liegt. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf Schönbrunn. Leider versagten hier, wie immer wenn man ein Traummotiv vor Augen hat, die Akkus meiner Digitalkamera.......
Nachdem wir unseren Hunger und Durst gestillt hatten, machten wir uns auf den Weg zum Wiener Zentralfriedhof, der aber leider nicht so zentral liegt wie man das meinen könnte, sondern weit außerhalb im Bezirk Simmering. Der Wiener Zentralfriedhof ist mir 2,5 Mio. Quadratmetern die zweitgrößte Friedhofsanlage Europas. Sie beherbergt etwa 330.000 Grabstätten mit ca. 3 Mio. Verstorbenen. Das Zentrum dieser riesigen Anlage bildet die Karl- Borromäus-Kirche vor der sich die Präsidentengruft befindet. Der überwiegende Teil des Friedhofs besteht aus katholischen Gräbern, daneben gibt es noch die evangelische, islamische, jüdische, orthodoxe und buddhistische Abteilung. Wir suchten zuerst die Ehrengräber auf, dort liegen unter vielen anderen Beethoven, Schubert, Johann Strauß, Brahms, Theo Lingen, Hans Moser, Bruno Kreisky, Curd Jürgens und Paul Hörbiger begraben. Wolfgang Amadeus Mozart ist hier nur ein Denkmal gewidmet, er wurde auf dem Marxer Friedhof beerdigt.
Ich, als "Teenie" der achtziger Jahre, wollte aber unbedingt auch das Grab von Falco sehen, der hier 1998 beigesetzt wurde. Falcos Grab hat mich sehr beeindruckt, es ist bemerkenswert und originell gestaltet. An den vielen frischen Blumen, Stofftieren und kleinen Briefbotschaften die dort abgelegt sind, erkennt man, dass es sehr häufig besucht wird. Hier konnte ich erstaunlicher Weise auch etwas Interesse meines, sonst so lustlosen, Sohns erkennen:) Anschließend haben wir noch einen Rundgang über den Babyfriedhof gemacht, der ganz in der Nähe liegt und wirklich einen Besuch wert ist. Natürlich hatten wir mal wieder viel zu wenig Zeit um alles zu sehen. Aber die Ausmaße dieses Friedhofs sind wirklich enorm.
Für den kommenden Tag hatten wir einen Besuch im Prater geplant. Petrus hatte es auch heute wieder zu gut mit uns gemeint, strahlender Sonnenschein und Temperaturen weit über 30 Grad. Der Wiener Prater ist zum einen eine große öffentliche Parkanlage mit Wiesen und Wäldern, zum anderen ein Vergnügungspark (Wurstelprater) mit vielen Attraktionen wie z.B. Geisterbahnen, Hochschaubahnen, Bungeejumping, Spielhallen, der Lilliput-Bahn und natürlich dem weltberühmten Riesenrad und anderen Fahrgeschäften. Nachdem wir am "Praterstern" aus der S-Bahn gestiegen waren, konnten wir auch schon einen ersten Blick auf das Riesenrad werfen, welches 1897 gebaut wurde und über 60 Meter hoch ist. Im zweiten Weltkrieg wurde es durch einen Brand fast völlig zerstört, nach dem Krieg aber wieder aufgebaut und 1947 wieder eröffnet. Selbstverständlich durfte eine Fahrt in dieser Attraktion nicht fehlen. Also kauften wir Fahrkarten. Mit einem recht mulmigen Gefühl stieg ich mit meiner Tochter in eine der 15 großen Gondeln. Glücklicherweise schaukelten sie fast gar nicht, sodass ich diese Fahrt wirklich genossen habe. Sie dauerte fast 15 Minuten und man hat einen fantastischen Blick auf Wien.
Anschließend tobten sich die Kinder in den zahlreichen Karussells aus, was allerdings ein tiefes Loch in meinen Geldbeutel riss. Aber egal, schließlich sollten auch die beiden Spaß an dieser Reise haben. Vom Trubel des Wurstelpraters erholten wir uns dann eine Weile in den wunderschönen Parkanlagen. Danach beschlossen wir noch einen Abstecher zum Hundertwasserhaus zu machen, welches in der Nähe des Praters liegt. Dort angekommen stellte ich fest, das alles, was ich in der Schule über Geometrie und Symmetrie gelernt hatte (oder auch nicht), getrost vergessen kann. Zweifelsohne ist dieses Haus eine kuriose Sehenswürdigkeit. Friedensreich Hundertwasser schuf diesen bunten, unregelmäßigen Bau in den 80er Jahren. Das Außergewöhnlich an diesem Haus sind die bunten Fassaden, die unebenen Böden und das viele Grün. Das Hundertwasserhaus sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.
Für den letzten Vormittag unserer Wienreise hatten wir einen Besichtigungsspaziergang rund um die Wiener „Ringstraße" geplant, die die Innenstadt umschließt und von der man viele Sehenswürdigkeiten gut zu Fuß erreichen kann. Da wir uns ganz spontan für den Nachmittag noch einen Besuch des Tierparks Schönbrunn vorgenommen hatten, konnten wir uns, alle hier liegenden Gebäude nur von außen ansehen. Begonnen haben wir diese Tour am „Schottenring", wo sich unter anderen die Börse, der Ringturm, und der „Sigmund - Freund - Park" befinden. Nun ging es weiter zum „Dr. Karl Lueger Ring". Hier findet man die Universität, das Parlament, das Rathaus und das Burgtheater. Das Burgtheater wurde 1888 eröffnet und wird von den Einheimischen einfach nur "Burg" genannt. Direkt gegenüber liegt das Rathaus, das im 19. Jahrhundert erbaut wurde. Die Fassade ist mit Figuren, Spitzbogenfenstern und anderen Verzierungen geschmückt. Hier findet alljährlich der Wiener Christkindlmarkt statt. Nach einem Spaziergang durch den Volksgarten erreichten wir schließlich das Parlamentsgebäude das von 1873 bis 1883 gebaut wurde. Hier ist der Sitz des österreichischen Bundesrats. Nun waren wir über den „Dr. Karl Renner Ring" am „Burgring" angekommen, deren Hauptattraktion sicherlich die Hofburg ist. Dieser riesige Komplex besteht aus 18 Trakten und 19 Höfen. Dort bieten sich unzählige Möglichkeiten der Besichtigung z.B. die Schatzkammer, die Kaiserappartements, das Sissi Museum, die Silberkammer und vieles mehr. In der Stallburg befindet sich neben den Stallungen der berühmten Lippizaner auch das Lippizanermuseum. Im Reitsaal finden die Aufführungen der Spanischen Hofreitschule statt. Gegenüber der Hofburg liegen das Kunsthistorische und das Naturhistorische Museum. Nach einer ausgiebigen Ruhepause im Burggarten, wo man die Denkmäler von Goethe und Mozart findet, machten wir uns auf in Richtung Staatsoper, die logischerweise auf dem „Opernring" liegt. Die Oper wurde 1861 bis 1869 errichtet. In den 5 Öffnungen über den Haupteingang stehen Bronzefiguren. Traditionell findet hier jedes Jahr am letzten Donnerstag im Karneval der berühmte Wiener Opernball statt.
Hier stiegen wir nun in die Straßenbahn um vom „Opernring" über den „Kärtner-", „Schubert" und „Parkring" zum „Stubenring" zu gelangen. Dort befinden sich direkt hinter dem Stadtpark das Museum für angewandte Kunst und das Regierungsgebäude. Das Museum wurde 1871 fertiggestellt und dient auch als Ausbildungsort für Maler und Bildhauer. Das Regierungsgebäude war früher Sitz des Kriegsministeriums und beherbergt heute 3 Bundesministerien. Nach soviel Kultur mussten wir uns natürlich, nicht zuletzt wegen der enormen Hitze, erst einmal etwas erholen, bevor wir zu unserem letzten Event der Wienreise starteten.
Durch meinen Reiseführer, den ich während der U- Bahnfahrt Richtung Tierpark Schönbrunn gelesen hatte, war ich darüber informiert, dass dieser Zoo der älteste der Welt ist und weit mehr zu bieten hat, als man an einem Nachmittag sehen kann. Jedes Gehege und jedes Haus mit den dazugehörigen Bewohner im Einzelnen hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Deshalb beschränke ich mich auf einige wenige, für mich aber außergewöhnliche, Attraktionen: Krokodile, Gliederfüßler und Fische, von denen man nicht mal erahnt, das es sie wirklich gibt, Schmetterlinge mit ihrer Puppenstube, sowie Schildkröten ( die älteste hier ist schon über hundert Jahre alt und seit 1957 im Schönbrunner Zoo) findet man im Aquarien- und Terrarienhaus. Das Regenwaldhaus ist eine beeindruckende Sehenswürdigkeit im Zoo. Auf mehr als tausend Quadratmetern kann man einen der artenreichsten Lebensräume der Erde erleben, die Regenwälder der Insel Kalimantan auf Borneo. Hier kam richtige Dschungelstimmung auf. Die hohe Luftfeuchtigkeit machte einem das Atmen schwer. Das Polarium ist die Heimat der Pinguine und Robben. Im Insektarium findet man eine Vielzahl von Heuschrecken und Gottesanbeterinnen, die sich allerdings so gut tarnten, dass man sie kaum sehen konnte.
Auf unserem weiteren Spaziergang im Zoo sahen wir wunderschöne, riesige Raubtiergehege, Affen verschiedenster Art, Bären und Giraffen. Leider ließen sich die beiden, hier heimischen, Pandas nicht blicken..... Eigentlich bin ich kein Freund von Zoos, ich habe es immer vorgezogen Tiere in Freiheit zu sehen. Hier allerdings sieht man die Bemühungen, den Tieren einen artgerechten Lebensraum zu ermöglichen.
Das war also unsere Reise nach Wien die hier leider endet. Wir kehrten mit jeder Menge schöner und sicherlich auch bleibender Erinnerungen am nächsten Tag nach Hause zurück und werden bestimmt noch einmal wieder kommen.



London Madeira


Fotos Wien