Madeira

Meine Reise nach Madeira war ein recht spontaner Entschluss. An einem ziemlich trüben Wintertag sah ich durch Zufall eine Reportage über diese traumhaft schöne Insel im Atlantik. Fasziniert von diesen Bilder buchte ich wenig später eine Reise dorthin für die Osterferien 2006. Bis dahin war mir der Name ( ich geb's ja zu ) weniger aus dem Erdkundeunterricht, als durch die Sissi Filme bekannt..... Madeira ist die Hauptinsel des gleichnamigen Archipels, sie bildet zusammen mit der Nachbarinsel Porto Santo und den unbewohnten Ilhas Desertas, die Gipfel eines vulkanischen Gebirges. Sie liegt etwa 1000 Kilometer südwestlich von Lissabon und 600 km westlich der marokkanischen Küste. Inselhauptstadt ist Funchal in der etwa die Hälfte aller Madeirenser leben. Der Golfstrom sorgt ganzjährig für ein mildes Klima und eine üppige Vegetation. Die Küste Madeiras ist steil und felsig, die Berge sind zum Teil stark bewaldet. Westlich von Funchal findet man die zweithöchste Klippe der Welt das Gabo Giaro. Weiter im Landesinneren liegen die höchsten Erhebungen, der Pico Ruivo mit 1862 m höchster Berg Madeiras und der Pico Arieira der immerhin 1810m hoch ist. Im Norden der Insel regnet es häufig, der Süden dagegen ist suptopisch warm. Bekannt ist Madeira auch für seine Bewässerungskanäle, den sogenannten Levadas, die das Wasser vom niederschlagreichen Norden der Insel zur fruchtbaren, aber trockeneren Südseite transportieren. Dieses Bewässerungssystem hat eine Gesamtlänge von über 2000 Kilometern. Entlang der Levadas führen Wege um die Wasserkanäle in Stand halten zu können sie sind seit den achtziger Jahren beliebte Wanderwege der zahlreichen Touristen geworden. Eine Besonderheit der Pflanzenwelt ist der immergrüne Lorbeerwald im Bergland der Insel. Er zählt seit 1999 zum Weltnaturerbe der Unesco. "Perle im Atlantik", "schwimmender Garten", " Insel des ewigen Frühlings" und " Blumeninsel", all diese Namen trägt Madeira zu Recht, wie meine Tochter und ich in den kommenden Tagen feststellen sollten.......

In der Hoffnung auf eine pannenlose Anreise machten wir uns am Donnerstag Vormittag auf den Weg zum Paderborner Flughafen. Von hier aus sollte es über Nürnberg weiter nach Funchal gehen. Erstaunlicherweise landeten wir pünktlich in Nürnberg! Kurz vor dem Abflug nach Funchal wurde uns mitgeteilt, das man das Essen für unser Flugzeug leider vergessen hatte und es erst etwa 1,5 Stunden später erst losgehen könne..... Nach knapp vierstündigen Flug landeten wir schließlich am späten Nachmittag am Flughafen in Funchal. Madeira empfing uns mit angenehmen 20 Grad und der langersehnten Sonne. Bereits auf dem Weg zum Hotel, der etwa eine halbe Stunde dauerte, war ich beeindruckt von der Vielfalt an Flora, die Madeira zu bieten hat. Da ich riesige Bettenburgen nicht sonderlich mag, hatte ich auch auf dieser Reise ein recht kleines und einfaches Hotel gebucht. Das "Residencial Monte Verde" liegt in der Hotelzone von Funchal abseits der Hauptverkehrsstraßen etwa 20 Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt. Wir bezogen ein kleines, aber sehr sauberes und gemütliches Zimmer mit herrlichen Blick auf die Bucht von Funchal. Nachdem meine Tochter sich im Hotelpool ein wenig ausgetobt hatte, beschlossen wir einen Spaziergang ins Zentrum von Funchal zu machen. Allzu weit sind wir an diesem Abend nicht mehr gekommen, denn auf dem Weg entlang der "Avendia do Infante" liegt der herrliche "Parque de Santa Catarina" in der sich auch die gleichnamige Capelle befindet.
Herrlich angelegte Blumenbeete, exotische Bäume, ein kleiner See und dieser unsagbar schöne Blick auf den Hafen von Funchal zogen uns in seinem Bann. Voller Vorfreude auf die kommenden Tage machten wir uns anschließend auf die Suche nach etwas Essbarem. Gefunden haben wir dann ein nettes kleines Restaurant ganz in der Nähe. Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen etwas Landestypisches zu essen, aber dann verließ mich mal wieder der Mut und meine Tochter und ich aßen statt "Espada" ( Schwarzer Degenfisch ) oder "Espetada" ( Rindfleischwürfel auf einem Lorbeerspieß ) Spaghetti mit Soße auf Madeira......
Für den kommenden Tag hatten wir einen Ausflug in den kleinen Villenvorort Monte( grüner Berg) mit Besuch des "Jardim Tropical Monte Palace" geplant. Also schlenderten wir am Morgen wieder über die "Avendia do Infante!," weiter über die "Avendia do Arriga" vorbei an einer einzigartigen Blütenpracht mit Geranien, die hier übrigens das ganze Jahr über blühen, Azaleen, Rhododendren, Kamelien, Kapuzinerkresse und den Palisadenbäumen die in einen atemberaubenden Blau erstrahlten. Schließlich erreichten wir über die "Avendia do Mar" die Seilbahnstation. Die Fahrt hinauf mit der Seilbahn nach Monte war spektakulär. Der herrliche Blick über Funchal entschädigte uns für den recht hohen Fahrpreis. Angekommen in Monte ließen wir die bekannte Kirche "Nossa Senhora do Monte" links liegen und machten uns auf zum Jardim Tropical Garden, der in unmittelbarer Nähe liegt. Dieser weitläufige Garten ist terrassenförmig angelegt. Hier gedeihen Pflanzen aus aller Welt, tropische Exoten aber auch einheimische Bäume, wie Azaleen, Heidekraut, Orchideen und eine große Anzahl von Farnen. Neben seinen beeindruckenden Pflanzenwelt bietet er auch noch zahlreiche fernöstliche Figuren . In dieser herrlichen Wildnis voller Überraschungen gibt es 2 orientalische Gärten, Seen, in denen Koi Karpfen gehalten werden, Brunnen und Grotten, Tunnels führen zu verborgenen Wasserfällen und selbst die Toiletten sind mit alten Fliesen aus Lissabon dekoriert.
Hier hielten wir uns einige Stunden, bevor wir uns auf den Rückweg nach Funchal machten. Da ich meiner Tochter versprochen hatte, mit dem Korbschlitten zu fahren, suchten wir dann deren Abfahrtstelle auf. Ganz wohl war mir, ehrlich gesagt, nicht dabei.... Die Korbschlitten gibt es seit 1850, sie werden von zwei Männern in traditionell weißer Kleidung und Strohhut angeschoben und gesteuert und gleiten auf Holzkufen hinunter nach Funchal. Als Bremse dienen lediglich die Gummisohlen ihrer typischen Madeira Stiefel. Gut, das ich dass vorher nicht wusste..... Wir brausten also in abenteuerlicher Fahrt zurück in die Hauptstadt.
Am nächsten Vormittag begannen wir die Besichtigung der Altstadt Funchals mit dem Besuch des bekannten" Mercado dos Lavradores". Der Eingang zum Mark ist mit den schönen blau-weißen Kacheln geschmückt, den sogenannten "Azulejos". Das Herzstück der Markthalle ist der offene Innenhof mit seinem riesigen Angebot an Obst, Gemüse und Blumenständen.
Hier preisen sowohl Bauern als auch Händler ihre Waren an. Überall herrschte emsige Geschäftigkeit und es machte einfach Spaß hier herum zu laufen. Exotische Früchte in allen möglichen Farben kann man hier erwerben, oftmals wurden uns auch kleine Stücke zum Probieren angeboten. In den Seitenräumen des Marktes werden Fleisch und Wurstwaren, Käse und Milchprodukte aber auch Korb und Lederwaren verkauft. Der gesamte untere Teil der Markthalle ist der Fischmarkt. Hier konnten wir verschiedene Fischarten, riesige Thunfische sowie die sehr bekannten schwarzen Degenfische bestaunen, die ziemlich gruselig aussehen, aber sehr delikat sein sollen.
Im Laufe des Tages besuchten wir noch die "Kathedrale Se" und die Festung "Sao Lourenzo". Die Natursteinfassade der Kathedrale wirkt recht schlicht, sie wurde zwischen 1493 und 1514 gebaut und besitzt eine sehr schöne und aufwändig gearbeitete Holzdecke, die aus dem Holz der Madeira Zeder geschnitzt wurde und mit Elfenbein verziert ist. In der Nähe der Kathedrale befindet sich das Rathaus Funchals, dessen Innenhof auch mit den wunderschönen "Azujejos" gefließt ist. Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ist die Festung "Sao Lourenco", die 1513 von König Manuel I zum Schutz vor Seeräubern in Auftrag gegeben wurde.
Gegen Abend stärkten wir uns in einer an der Uferpromenade liegenden Pizzeria. Da der Jardim Muncipal ( Städtischer Garten ) günstig im Zentrum der Stadt liegt, bot sich ein Besuch natürlich an. Auch hier blühte wieder alles um die Wette. Im Garten befindet sich ein See und ein kleiner Fluss mit Fischen und Vögeln. Auf dem Rückweg buchte ich den übernächsten Tag eine " Inselwesttour", zu der ich später noch kommen werde.
Für den nächsten Tag hatten wir eine Fahrt ins Naturschutzgebiet Ribeiro Frio geplant. Hier wachsen Mahagoni-, Lorbeer, Maiblütenbäume, Baumheide und viele andere Pflanzen. In diesem, knapp 100 Einwohner zählenden Dorf, etwa 20km von Funchal entfernt befindet sich die größte Forellenzuchtstation der Insel. In den verschiedenen Zuchtbecken schwimmen tausende Forellen in allen Größen. Die Fahrt dorthin dauerte mit dem Linienbus etwa 1 Sunde. Ribeiro Frio heißt "kalter Fluss" und das sollten wir sehr bald zu spüren bekommen. Während es in Funchal sonnig und warm gewesen war, war es hier kalt, nebelig und richtig ungemütlich. Nachdem wir uns die Forellenzucht angesehen hatten, beschlossen wir die etwa eine halbe Stunde dauernde Wanderung zum Aussichtspunkt Balcoes zu machen. Dieser Weg führt entlang einer Levada, die aber leider ausgetrocknet war. Wie nicht anders zu erwarten, konnten wir aufgrund der schlechten Wetterlage am Aussichtspunkt nur dicke Nebelschwaden sehen, leider....
Wieder angekommen an der Forellenzucht wärmten wir uns in "Victors Bar", einer urigen Kneipe, bei einem heißen Kakao erst einmal auf. Auf dem Rückweg nach Funchal legten wir noch einen Zwischenstopp in Monte ein, um die Wallfahrtskirche "Nossa Senhora do Monte" (Unsere liebe Frau von Monte) zu besichtigen. Diese Kirche ist der Schutzheiligen von Madeira gewidmet. Aufgebahrt sind hier in einer kleinen Seitenkapelle die sterblichen Überreste des letzten österreichischen Kaisers, der 1922 im Exil auf Madeira starb.
Am heutigen Tag stand unsere Inseltour West auf dem Programm. Gebucht hatte ich diese, wie oben schon beschrieben, in einem der zahlreichen kleinen Reisebüros an der "Avendia do Infante". Punkt neun Uhr wurden wir direkt am Hotel abgeholt. Etwas erstaunt stellte ich fest, das unter den anderen Mitreisenden nur Englisch gesprochen wurde. Da ich aber im Reisebüro ausdrücklich gesagt hatte:" We need a german guide" hoffte ich, das der Reiseleiter auf Englisch und Deutsch alles Wichtige erzählen würde. Wir waren schon in Camara de Lobos als mir langsam dämmerte, das dieser Reiseleiter ausschließlich englisch sprach! Dort stellte sich dann heraus das wir versehentlich in eine englische Reisegruppe geraten waren. Der Reiseleiter telefonierte und bot uns dann an uns wieder nach Funchal zu bringen, oder diese Tour zum halben Preis mitzumachen. Ich entschied mich für das Letztere. Im Nachhinein war ich froh, bis auf wenige Ausnahmen habe ich alles verstanden. Nur der Umstand, dass ich meiner Tochter das gerade Gehörte übersetzen musste und gleichzeitig dem schon weitererzählenden Reiseleiter zuhören musste, machte die Sache etwas kompliziert.......

Der Weg von Funchal führte uns entlang der Küste nach Carmara de Lobos. Carmara de Lobos ist ein malerisches Fischerdorf etwa 7km von Funchal entfernt und war die erste Siedlung, die der Seefahrer und Entdecker " Zarco" auf der Insel gründete. Am Ufer der kleinen Hafenbucht liegen die bunten Boote der Fischer. Der britische Premierminister und Hobbymaler Winston Churchill verbrachte hier oft seinen Urlaub. Von hier aus ging es weiter zum "Gabo Girao", der zweithöchsten Steilküste der Welt. Vom Aussichtspunkt geht es 580m praktisch senkrecht in die Tiefe! Auch wenn der Andrang hier wirklich enorm war, es war eines der beeindruckensden Erlebnisse auf dieser Reise. Eigentlich ist es überflüssig, zu erwähnen wie fantastisch die Aussicht hier war. Einige Zeit später erreichten wir Ribeira Brava , von hier aus führt die Straße direkt zur Nordküste. Bevor wir die Hochebene Paul da Serra ( 1600m ) erreichten fuhren wir eine Weile durch vernebelte Lorbeer- und Heidebaumwälder. Erstaunt nahm ich die Verkehrschilder mit "Kuhsymbol" wahr, die entlang der Straße immer wieder auftauchten. Unser Reiseleiter klärte uns dann auf, dass die Hochebene Schafen, Ziegen und Kühen als Weide dient. Kurz darauf hatten wir auch schon ein riesiges Exemplar von einer Kuh direkt vor dem Auto stehen. Gegen Mittag kamen wir schließlich in Porto Moniz an. In einem kleinen Restaurant stand bereits unser Mittagessen auf dem Tisch. Da ich während der bisherigen Fahrt fast alles verstanden hatte, was unser englischsprachiger Reiseleiter erzählt hatte, ging ich mit meiner Tochter recht zuversichtlich zum Mittagessen. Die ganze Gruppe saß an einem großen Tisch. Dann aber legten unsere englischen Mitreisenden so richtig los, ich verstand nicht ein einziges Wort!!! Nachdem wir in Windeseile unser Essen heruntergeschlungen hatten, verließen wir fluchtartig den Raum.......
In Porto Moniz hat das Meer die Küstenfelsen zu einem natürlichen Schwimmbad unterhöhlt. Neben dem alten Naturbecken gibt es heute ein schönes, den Naturschwimmbädern nachempfundenes Schwimmbad. Über Seixal, entlang einer herrlichen Küstenstraße mit tosenden Wasserfällen und zahlreichen Tunnels, erreichten wir am Nachmittag Sao Vicente. Über den mehr als 1000m hohen Encumeada Pass, der uns einen grandiosen Blick auf die ringsrum liegenden zerklüfteten Berggipfel bot, erreichten wir am frühen Abend wieder Funchal. Für den kommenden Tag hatten wir lediglich einen kurzen Besuch im Botanischen Garten Funchal geplant, den Nachmittag wollten wir am Meerwasserschwimmbecken verbringen.
Angekommen im Botanischen Garten ( Jardim Botanico ) hatten wir als zuerst einen herrlichen Panoramablick. Auch hier erwartete uns wieder ein Meer aus exotischen und einheimischen Pflanzen. Der riesige Baumgarten besitzt eine beachtliche Sammlung an verschiedenen Baumarten z. B. Ginkgo, Magnolie, Madeira Stechpalme, Eukalyptus, Stinklorbeer und Drachenbaum. Außerdem findet man hier Kakteen, Aloen, Agaven, Yuccas etc.
Sehr interessant ist auch der Garten mit den landwirtschaftlichen Nutzpflanzen die als Lebensmittel, zur Ölgewinnung oder zu medizinischen Zwecken kultiviert werden. Beetpflanzen in allen erdenklichen Farbe bieten auf der sonnigen Südterrassen ein prächtiges Bild. An dem "Jardim Botanico" grenzt der "Jardim dos Loiros" ein Park mit hauptsächlich exotischen Vögeln z. B. Aras, Loris und Sittichen. Der Eintritt im Lorios Park ist im Ticket zum Botanischen Garten enthalten.
Am letzten Tag unserer Reise fuhren wir zur "Ouinta do Palheiro Ferreiro". Dieser stattliche Herrensitz ging 1885 in den Besitz der Familie Blandy über, seither ist er auch unter dem Namen "Blandy`s Garden" bekannt. Das Haus selbst ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich, aber den wunderschönen, dazugehörenden Garten kann man besichtigen. Schon die Zufahrt ist von alten Bäumen, Lilien und Kamelien umgeben. Dieser riesige Park mit seinen weitläufigen Grünflächen bietet alles, was das Herz eines Naturliebhabers begehrt. Hinter einer kleinen Kapelle öffnet sich der Garten mit riesigen Strelitzienbüschen und einem Seerosenbecken. Unterhalb der Quinta befindet sich der " Versunkene Garten " der von Säulen und Figuren umgeben ist. Ein hübscher kleiner Teich mit einer Brücke und eine Farbenvielfalt, die kaum vorstellbar ist. Von hier aus hat man auch den besten Blick auf das Landhaus.
Es folgen herrliche Rabatten mit Rittersporn und Engelstrompeten in Weiß, Orange und Gelb. Im gesamten Garten wird man begleitet vom betörenden Duft unzähliger, zum Teil exotischer, Pflanzen. Schließlich gelangten wir zum " Damengarten ", hier wurden aus Buchsbaumhecken kunstvolle Figuren geschnitten. Wieder im Hauptteil des Parks angekommen, folgten wir den Wegweisern nach " Ribeira do Inferno ". Wir spazierten den ausgedehnten Rundweg entlang, an dem einheimische Lorbeergewächse, exotische Baumfarne und Philodendren wuchern. Ein wunderschöner, letzter Urlaubstag ging seinem Ende zu.
Am nächsten Tag nahmen wir Abschied von der wunderschönen, kleinen Insel im Atlantik. Aber es gibt ein Wiedersehen, im Januar 2007.



Wien Prag


Fotos Madeira